Digitaler Fotokurs

 

Die digitale Kamera

 

Mindestanforderungen an eine digitale Kamera

Digitalkameras, die mehr können als damit nur Erinnerungsfotos zu knipsen, sollten bestimmte Mindestanforderungen erfüllen.

 

Deshalb wird in diesem Kapitel nicht auf Geräte eingegangen, mit denen man unter anderem auch fotografieren kann, wie beispielsweise einem Handy oder einem iPhone. Auch Pocket , Bridge und alle anderen Kameras mit kleinen Sensoren sind für die kreative Fotografie ungeeignet, weil durch die kleinen Sensoren ein wesentliches Element der Bildgestaltung, nämlich die Schärfentiefe, nicht kreativ genutzt werden kann.

Für kreative Fotografie geeignete Kameras

Kreative Fotografie fängt mit einem APS Sensor an. Das Vollformat und natürlich erst recht das digitale Mittelformat, das jedoch für die meisten Amateure unerschwinglich sein dürfte, bieten noch mehr Möglichkeiten als Kameras mit APS Sensor, sind allerdings auch entsprechend teurer.

Zunächst einmal die gängigen Sensorgrößen

 

Sensorgrößen

 

Vier gängige Sensorgrößen für digitale Kameras. Die beiden kleineren Sensoren finden insbesondere bei Kompakt- und Bridgekameras Verwendung, der dunkel grüne Sensor, hier gezeigt am Beispiel einer Nikon D70, ist ein APS Sensor. Es gibt 3 geringfügig unterschiedliche APS Sensorformate, deren Größe sich nur in den Stellen hinter dem Komma unterscheidet. Das analoge Kleinbildformat entspricht dem Digitalen Vollformat.

 

 

Sensoren, die deutlich kleiner sind als der APS Sensor, haben selbst im Bereich starker Teleobjektive immer noch Brennweiten, die einem Weitwinkelobjektiv im Vollformat bzw. dem analogen Vorbild Kleinbildformat entsprechen. Die kurzen Brennweiten selbst im Bereich starker Teleobjektive führen dazu, dass bei Kameras mit einem kleinen Sensor die Schärfentiefe praktisch durch den gesamten Brennweitenbereich nicht regulierbar ist, weil sie bereits bei offener Blende von vorne bis unendlich reicht. Die Schärfentiefe ist nämlich nicht abhängig vom Bildwinkel sondern von der tatsächlichen Brennweite eines Objektivs.

 

Dazu mehr im Kapitel Brennweite

 

Deshalb, wenn man mehr möchte als nur knipsen, sollte beim Kauf einer Kamera auf einen genügend großen Sensor geachtet werden. Denn nur damit hat man tatsächlich die ganze Bandbreite fotografischer Bildgestaltung zur Verfügung.

 

Die Pocketkamera hat dafür den Vorteil, dass man sie ständig dabei haben kann, taugt jedoch nicht für viel mehr als Erinnerungsfotos.

 

Für eine Spiegelreflexkamera mit 2-3 Wechselobjektiven, um die wichtigsten Brennweitenbereiche abzudecken, benötigt man schon eine gute Fototasche oder einen Foto-Rucksack, die hat man natürlich nicht mehr ständig dabei.

Spiegellose Systemkameras

Die Sache mit dem Platzbedarf gilt natürlich auch für spiegellose Systemkameras, wenn man sie tatsächlich als Systemkamera mit mehreren Objektiven benutzt. Spiegellose Systemkameras sind erst durch die Digitaltechnik überhaupt möglich wurden.

 

Die Vorteile für die Industrie liegen auf der Hand, denn die Spiegelmechanik ist der mechanisch aufwändigste Teil einer Spiegelreflexkamera. Spart man sie ein, kann man eine Kamera natürlich sehr viel günstiger anbieten.

 

Ein Nachteil vieler Spiegelloser Systemkameras ist der viel zu kleine Sensor.

 

Da es bis jetzt noch keinem gelungen ist, die physikalischen Gesetze der Optik über den Haufen zu werfen, ist die Sensorgröße bzw. bei analogen Kameras das Filmformat immer noch das Maß der Dinge für kreative Fotografie. Und zwar sowohl was die Regulierung der Schärfentiefe als auch die absolute Schärfe des Sensors anbelangt.

 

Deshalb sind auch Spiegellose Systemkameras nur dann eine ernst zu nehmende Alternative zu einer digitalen Spiegelreflexkamera, wenn der Sensor genügend groß ist, also mindestens einem APS Sensor entspricht. Bei kleineren Sensoren kann man dann zwar wie bei einer echten Spiegelreflexkamera Objektive austauschen, die kreativen Möglichkeiten, die erst mit einem ausreichend großen Sensor gegeben sind, bleiben dennoch verschlossen.

 

Worüber sich übrigens viele Besitzer einer Spiegellosen Systemkamera nicht klar sind, der Sucher ist kein optischer Sucher analog einer Spiegelreflexkamera, sondern ist lediglich eine Möglichkeit, das Display ohne störendes Fremdlicht zu sehen.

 

Es handelt sich also um eine Kamera mit Lifeview sowohl über das äußere Display als auch über den Sucher.

APS Sensor, Vollformat oder sogar das digitale Mittelformat?

Diese Frage hängt natürlich nicht nur vom geplanten Budget für die Anschaffung einer Kamera ab. Sondern auch von den jeweiligen Vor- und Nachteilen der Sensorformate.

 

 

APS Sensor

 

In der Klasse der Spiegelreflexkameras für Amateure ist der APS Sensor die Regel. Auch bei vielen semiprofessionellen Kameras wird nach wie vor der APS Sensor eingesetzt.

 

Der APS Sensor hat gegenüber dem Vollformat einige Nachteile, aber auch Vorteile.

 

 

Nachteile des APS Sensors

 

Der wesentliche Nachteil des APS Sensors ergibt sich aus der Umrechnung der Brennweiten. Denn, von einigen eigens für den APS Sensor neu entwickelten Objektiven abgesehen, werden für Spiegelreflexkameras mit APS Sensor Objektive für das Kleinbildformat bzw. das exakt gleich große digitale Vollformat eingesetzt.

 

Durch die kleinere Fläche des APS Sensors werden nur zwei Drittel des Bildwinkels der Kleinbildobjektive genutzt. Deshalb muss man gegenüber der auf einem Objektiv angegebenen Brennweite die Brennweite um 50 % verlängern, um zum gleichen Bildwinkel zu kommen, den dieses Objektiv am Vollformat hätte. Die Umrechnung bezieht sich allerdings nur auf den Bildwinkel, nicht auf die optischen Eigenschaften eines Objektivs. Letztere sind unabhängig davon, ob der Bildwinkel durch den Sensor vollständig oder nur zu zwei Dritteln genutzt wird. Deshalb bezeichnet man die auf das Vollformat umgerechnete Brennweite auch als scheinbare Brennweite.

 

Das wird oft missverstanden, weil sich die Umrechnung der Brennweite nur auf den tatsächlich genutzten Bildwinkel bezieht. Der Bildwinkel wird nicht, wie beim Vollformat, zu 100 % genutzt, sondern nur zu zwei Dritteln. Das entspricht praktisch einer Ausschnittvergrößerung. Die physikalischen Eigenschaften des Objektivs bleiben jedoch gleich, auch wenn davon nur ein kleinerer Ausschnitt tatsächlich genutzt werden kann.

 

Die Umrechnung der Brennweite entfällt jedoch bei Objektiven, die eigens für den APS Sensor entwickelt wurden. Das trifft insbesondere auf einige neuere Kit-Objektive zu.

 

Der gravierendste Nachteil des APS Sensors macht sich wegen der Umrechnung des Bildwinkels bei Weitwinkelobjektiven bemerkbar, die nicht eigens für den APS Sensor entwickelt wurden. Weitwinkelobjektive, die für den APS Sensor entwickelt wurden, haben einen größeren Bildwinkel als Kleinbildobjektive mit derselben Brennweite.

 

Für einen Anfänger ist das nicht einfach zu verstehen. Schon dreimal nicht, dass Objektive, die für den APS Sensor entwickelt wurden, einen anderen Bildwinkel haben als Objektive für das Vollformat, obwohl doch beide Objektive an Kameras mit einem APS Sensor benutzt werden können.

 

Für jemanden, der erst jetzt in die gestalterische, digitale Fotografie einsteigt, sicher nicht ganz einfach zu verstehen, dass es für den APS Sensor zwei grundverschiedene Arten Objektive gibt, nämlich die Objektive, die für das Vollformat bzw. den analogen Vorgänger Kleinbildformat entwickelt wurden und deren Brennweite für einen vergleichbaren Bildwinkel um 50 % verlängert werden muss und auf der anderen Seite Objektive, die eigens für den APS Sensor entwickelt wurden, deren Brennweite für einen dem Vollformat vergleichbaren Bildwinkel also nicht umgerechnet werden muss.

 

 

Vorteile des APS Sensors

 

Zunächst einmal, das dürfte für die meisten Amateurfotografen der wichtigste Vorteil sein, Kameras mit APS Sensor kosten in der Anschaffung deutlich weniger als eine Vollformatkamera mit gleicher Ausstattung.

 

Für Fotografen, die gerne im extremen Telebereich arbeiten, bietet der APS Sensor einen deutlichen Vorteil gegenüber dem Vollformat. Denn, der nur zu zwei dritteln genutzte Bildwinkel verlängert den Telebereich um 50 % ohne die Nachteile, die sonst mit um 50 % stärkeren Teleobjektiven in Kauf genommen werden müssten, nämlich geringere Lichtstärke, sehr geringe Schärfentiefe und hohe Anschaffungskosten.

 

Ein weiterer Vorteil des APS Sensors resultiert ebenfalls aus dem nur zu zwei Dritteln genutzten Bildwinkel, nämlich die Vermeidung der Rand-Unschärfen, die bei fast allen Objektiven mehr oder minder stark ausgeprägt sind. Denn der Randbereich der für das Kleinbildformat entwickelten Objektive wird von dem kleineren APS Sensor erst gar nicht erfasst.

Das Vollformat

 

Das Vollformat hat viele Vorteile gegenüber einem APS Sensor und nur wenige Nachteile.

 

Der erste Vorteil ergibt sich bereits aus der Sensorgröße, die um 50 % größer ist als ein APS Sensor und somit auch eine deutlich bessere Qualität ermöglicht.

 

Der nächste Vorteil ist, dass sämtliche für das Kleinbildformat entwickelten Objektive ohne Umrechnung mit gleichen optischen Eigenschaften an einer Vollformatkamera verwendet werden können.

 

Das betrifft insbesondere Weitwinkelobjektive, die mit ihrem tatsächlichen Bildwinkel an einer Vollformatkamera genutzt werden können und somit auch den extremen Weitwinkel-Bereich bis hin zum Fisheyeobjektiv erschließen.

 

Umgekehrt hat der kleinere APS Sensor bei starken Teleobjektiven die Nase vorn, denn hier wirkt sich der kleinere genutzte Bildwinkel wiederum positiv aus.

 

Der einzige echte Nachteil des Vollformats ist der Preis, der deutlich über dem Preis der Kameras mit dem APS Sensor liegt.

Digitale Mittelformatkameras

Aus eigener Erfahrung kann ich dazu überhaupt nichts sagen, weil ich noch nie mit einer solchen Kamera fotografiert habe. Bereits der Body liegt weit außerhalb meiner finanziellen Möglichkeiten, außerdem müssten sämtliche Objektive neu beschafft werden, die natürlich ebenfalls deutlich teurer sind als Objektive für das Kleinbildformat.

 

Bei einigen digitalen Mittelformatkameras, beispielsweise der PENTAX 645 lassen sich die Objektive, die für den analogen Vorgänger gleichen Namens entwickelt wurden, weiter verwenden. Die Frage, die ich nicht beantworten kann, ob diese Objektive gut genug sind für einen Sensor mit 51,4 Megapixel. Da der Sensor deutlich kleiner ist als 4,5 x 6 cm, wie beim analogen Vorgänger, wäre die scheinbare Brennweite jedoch deutlich länger und somit der Bildwinkel deutlich kleiner.

 

Im Verhältnis zum analogen Mittelformat ist der Unterschied zwischen dem Kleinbildformat und dem digitalen Mittelformat nicht annähernd so groß.
Das digitale Mittelformat ist, abhängig vom Hersteller, zwischen 1,4 und 1,8 mal größer als das digitale Vollformat.

 

Der analoge Vorgänger beispielsweise der digitalen Pentax 645 wurde schon nicht als echtes Mittelformat angesehen, sondern galt als das kleine Mittelformat, dass eher für Amateure konzipiert wurde. Dennoch war beim analogen Vorgänger das Negativformat und damit auch das Sucherbild mehr als dreimal so groß wie das Kleinbildformat. Ein großes Sucherbild hat viele Vorteile, sowohl für die Beurteilung der Schärfe als auch für die Bildkomposition. Auf einem genügend großen Sucher Bild übersieht man auch nicht so leicht störende Details, beispielsweise bei einer Ganzkörperaufnahme eine störende Steckdose im Hintergrund.

 

In dieser Beziehung ist das digitale Mittelformat vom analogen Vorgänger noch weit entfernt. Andererseits erreicht man mit 50 Megapixel bei einem genügend großen Sensor eine Auflösung, die analog nur mit Großformatkameras möglich gewesen war.

 

Somit optimal für die Druckvorstufe, wenn es um Vergrößerungen geht, die in analogen Zeiten nur mit einer Großformatkamera die gewünschte Qualität brachten.

 

Als Alternative gibt es übrigens für die professionellen, analogen Mittelformatkameras Digitalrückteile, die natürlich auch nicht gerade billig sind, aktuelle Digitalrückteile im Format 6 × 6 (Hasselblad) oder 6 × 7 cm (Mamiya) kosten um die Euro 10.000.

 

Damit kann man, wie früher, zu analogen Zeiten, seine professionelle Mittelformat Ausrüstung weiterhin verwenden.

 

Abgesehen vom komfortablen, großen Sucher war das analoge Mittelformat unverzichtbar, wenn es um eine deutlich bessere Qualität, als mit Kleinbild Kameras möglich, ging. Denn auch der beste Farbfilm kommt nicht annähernd an die Auflösung einer aktuellen Kamera mit APS Sensor heran. Erst recht nicht an die Auflösungen, die mit digitalen Vollformatkameras der Oberklasse oder dem digitalen Mittelformat möglich sind. Farbfilme mit der höchstmöglichen Auflösung, die mit Film Material möglich war, waren zudem im Verhältnis zu einem Sensor nicht gerade besonders lichtempfindlich. Ein Standard Farbfilm hatte ISO 50, das Maximum, dass es ohne das Korn vergröbernde Sonderentwicklung gab, waren ISO 200. Filme mit mehr als ISO 100 konnte man zwar auch für Kleinbildkameras kaufen, empfehlenswert war es jedoch nicht, das grobe Korn war schon bei ganz normalen Abzügen nicht zu übersehen. Auch das war damals eine Domäne der analogen Mittelformatkameras, die mit einem mehr als viermal so großen Negativformat bei hochempfindlichen Filmen toleranter waren.

 

Doch all diese Argumente für das Mittelformat treffen im digitalen Zeitalter nicht mehr zu. Was als Argument für das digitale Mittelformat bleibt, ist eine überragende Qualität, die jedoch selbst im professionellen Bereich nur selten benötigt wird.

 

Ich kenne sowohl bekannte Profis, die sich hochauflösende Kameras bei Bedarf ausleihen und ansonsten im digitalen Vollformat arbeiten als auch Fotografen in der Provinz, die bereits mit ihrer Ausrüstung gegenüber dem Kunden beweisen wollen, dass sie Profis sind und, obwohl bereits die digitale Vollformat Kamera die vom Kunden geforderte Qualität weit überschreitet, dennoch mit einer digitalen Mittelformatkamera zum Kunden gehen, weil es vielleicht auch von den Auftraggebern erwartet wird.

 

Woraus sich letztendlich ergibt, dass selbst anspruchsvolle Amateure noch nicht einmal die Qualität einer Vollformat Kamera der Oberklasse auch nur annähernd ausreizen können, geschweige denn die Qualität einer digitalen Mittelformatkamera. Bleibt letztendlich als einziges Kaufargument, wenn man es sich locker leisten kann, dass gegenüber dem digitalen Vollformat 1,4-1,8 mal so große Sucherbild, dass sicher komfortabler zu handhaben ist als ein kleineres Sucherbild.

APS Sensor oder Vollformat

Was schon in der analogen Fotografie gilt, gilt natürlich auch physikalisch für die digitale Fotografie: Je größer der Sensor bzw. das Filmformat, umso weniger Qualitätsverlust gibt es bei Vergrößerungen.

 

Die üblichen Anwendungsbereiche eines Amateurfotografen werden allerdings bereits mit einem APS Sensor in der Regel übertroffen.

 

Denn mit den inzwischen üblichen Auflösungen von 16 Megapixeln und mehr sind selbst Vergrößerungen über DIN A3 hinaus kein Problem mehr. Für die Bildschirmdarstellung waren schon 6 Megapixel mehr als ausreichend.

Die Auflösung ist also für die meisten Amateurfotografen kein Argument mehr für das Vollformat.

 

Das Vollformat hat seine unbestrittenen Vorteile als echter Nachfolger des Kleinbildformats bei der Verwendung aller Objektive, die für das Kleinbildformat entwickelt wurden. Insoweit kann sich, insbesondere für Fotografen, die den Weitwinkel-Bereich bevorzugen, sogar der höhere Anschaffungspreis einer Vollformatkamera lohnen, weil damit sämtliche Objektive für das Kleinbildformat ohne Einschränkungen weiter genutzt werden können, also Objektive auch gebraucht erworben werden können.

 

Das gilt prinzipiell zwar auch für den APS Sensor, dort jedoch mit der Einschränkung, dass der Weitwinkel-Bereich nur mit eigens für den APS Sensor entwickelten Objektiven voll erschlossen werden kann.

 

Der APS Sensor ist wiederum im Bereich starker Teleobjektive im Vorteil.

 

Mit einem kleinen Budget stellt sich die Frage erst gar nicht, denn Vollformatkameras sind deutlich teurer als Digitalkameras mit dem APS Sensor.

 

Übrigens, wenn man nicht gerade das neueste Modell braucht, dann lohnt es sich das Vorgängermodell zu kaufen. Denn die nicht mehr aktuellen Kameramodelle werden mit voller Garantie für einen Bruchteil des ursprünglichen Preises beispielsweise bei eBay Händlern angeboten. Das hat oft sogar noch einen weiteren Vorteil, denn über das Vorgängermodell gibt es mittlerweile genügend Erfahrungen im Internet um keinen Fehlkauf zu machen.

 

Daraus ergibt sich, dass für die meisten Amateure APS Sensor oder Vollformat bereits besser sind als die tatsächlich geforderte Qualität. Wer den Weitwinkel-Bereich bevorzugt und nicht nur mit dem eigens für den APS Sensor entwickelten Objektiven fotografieren möchte, ist mit der Vollformat Kamera besser bedient, wer den Tele-Bereich bevorzugt, ist mit dem APS Sensor im Vorteil.

 

Auch wenn die qualitativen Erwartungen selbst anspruchsvoller Amateure, sofern man nicht gerade ein Technikfreak ist, bereits von aktuellen Modellen mit APS Sensor übertroffen werden, benötigt man dennoch mindestens das Sensorformat des APS Sensors, wenn man die Schärfentiefe kreativ nutzen möchte.

Weitere Auswahlkriterien beim Kauf einer Kamera

Nachdem die Entscheidung für APS Sensor oder Vollformat und Spiegelreflex oder Spiegellose Systemkamera grundsätzlich getroffen wurde, geht es um weitere wichtige Auswahlkriterien für den Kauf einer Kamera.

 

 

Das Gehäuse, der Body

 

Die wichtigste Anforderung an einen Body ist, dass er gut in der Hand liegt. Und zwar sowohl im Hochformat als auch im Querformat. Das muss man im Geschäft selbst ausprobieren, nicht jeder Body ist für jede Handgröße geeignet.

 

Wenn man die Kamera nämlich nicht sauber im Griff hat, dann wird es schwierig, die Kamera für das Foto ruhig zu halten.

 

 

Das Material des Gehäuses

 

Kameras, die ausschließlich aus Kunststoff bestehen, sind billige Wegwerf-Artikel. Zumindest die stark beanspruchten Teile einer Kamera sollten aus solidem Metall sein, also mindestens das Objektivbajonett und Stativgewinde.

 

Besser ist es natürlich, wenn das gesamte Gehäuse aus einer Magnesiumlegierung besteht.

 

 

Die Qualität des Verschlusses

 

Kameras, die für Amateure hergestellt werden, sind nicht annähernd so robust wie Kameras für den professionellen Bereich. Ein wesentliches Kriterium sind die garantierten Auslösungen des Verschlusses.

 

Kameras für den Amateur- und semiprofessionellen Bereich garantieren nur 50.000 Auslösungen. Das hört sich zunächst viel an, ist jedoch nur für jemanden viel, der mit seiner Kamera ebenso umgeht wie zu analogen Zeiten, als jedes einzelne Foto noch Geld gekostet hat.

 

Wenn ein Profi mit Models arbeitet, dann sind inzwischen, weil die Fotos selbst nichts mehr kosten, 1000 Fotos für einen Nachmittag nichts mehr besonderes. Ganz so viele Fotos mache ich zwar nicht, wenn ich mit einem Model arbeite, doch zwischen 300 und 500 Fotos an einem Nachmittag werden es auch bei mir.

 

Würde ich das mit einer Kamera, die nur 50.000 Auslösungen garantiert, täglich machen, dann wäre die Kamera schon nach knapp vier Monaten reif für den Schrott. Im professionellen Alltag wurde eine solche Kamera keine zwei Monate überleben.

 

Kameras für den professionellen Bereich garantieren mindestens 2 Millionen Auslösungen, kosten natürlich auch entsprechend mehr. Für jemanden, der voraussichtlich viel fotografieren wird, lohnt sich die Mehrausgabe auf jeden Fall.

 

Zumal die Garantie für 50.000 Auslösungen nicht bedeutet, dass der Verschluss bis zu seinem Ende noch mit derselben Genauigkeit arbeitet, mit der er am Anfang gearbeitet hat. Denn natürlich unterliegt auch der Schlitzverschluss einem Verschleiß, der lange bevor das Ende seiner Lebensdauer erreicht wurde, bereits zu Ungenauigkeiten führt. Ungenaue Verschlusszeiten bedeuten aber, dass die Belichtung ein Zufallsergebnis wird.

 

Wer hier am falschen Ende spart, zahlt letztendlich massiv drauf.

Was für die Qualität des Verschlusses gilt, gilt auch für alle anderen mechanischen Beanspruchungen einer Kamera.

 

Das bedeutet nicht, dass ich von einer Kamera, die nur 50.000 Auflösung garantiert, generell abraten würde. Meine Pentax garantiert auch nur 50.000 Auslösungen. Allerdings ist fotografieren für mich auch eher ein Hobby und Shootings mit Models sind ziemlich selten, zumal ich, was Models vor der Kamera anbelangt, ziemlich anspruchsvoll bin.

 

Ich nehme die Kamera selten öfter als zwei bis dreimal im Monat in die Hand. Dafür reichen die garantierten 50.000 Auslösungen alle Mal für eine lange Lebensdauer.

 

Es ist also nur ein Qualitätskriterium für jemanden, der mehr oder minder täglich mit einer Kamera arbeiten möchte und sich bei der Anzahl der Fotos keine Selbstbeschränkungen auferlegen will.

 

Hier ging es mir im wesentlichen darum, wie bei allen anderen Kriterien auch, den späteren Einsatzzweck einer Kamera bereits beim Kauf im Auge zu haben. Wer wirklich viel fotografieren möchte und nicht alle paar Monate eine neue Kamera kaufen will, sollte auf die Anzahl der garantierten Auslösungen achten.

 

 

Gehäuseschutz gegen Staub und Spritzwasser

 

Auch das ist ein wichtiges Kriterium, wenn man mit der Kamera nicht nur im Studio arbeiten will. Der Foto Alltag insbesondere Outdoor ist oft ziemlich rauh. Ein gut abgedichtetes Gehäuse schützt die Kamera auch vor salzhaltiger Luft an der Küste.

Das Display

Bei einer Kamera mit einem optischen Sucher spielt das Display zwar längst nicht eine so große Rolle wie bei einer Spiegellosen Systemkamera, trotzdem ist es wichtig, um unmittelbar nach der Aufnahme die Belichtung zu überprüfen.Die Schärfe läßt sich nur überprüfrn, wenn man massiv in das Bild hinein zoomt.

 

Deshalb gilt für das Display, dass es ausreichend groß sein soll und möglichst nicht spiegeln sollte. Es sollte sich außerdem leicht bedienen lassen, indem man problemlos in ein Foto hineinzoomen und den Ausschnitt verschieben kann.

 

Ein Display, wie es einige neuere Modelle analog den Videokameras haben, nämlich ausklappbar, ist hilfreich, wenn die Kamera gleichzeitig Lifeview anbietet und man Fotos machen kann, für die man sonst einen Winkelsucher bräuchte. Also beispielsweise Fotos aus Bodenhöhe oder über die Köpfe der Anderen hinweg.

 

Das anvisieren über das Display hat aber gleichzeitig gravierende Nachteile bei hellem Umgebungs-Licht. Wenn die Sonne direkt auf das Display knallt, dann sieht man auf dem Display überhaupt nichts mehr.

 

Die Mindestkriterien für ein Display erfüllen inzwischen praktisch alle Kameras. Bei der Bedienung gibt es allerdings nach wie vor große Unterschiede, da merkt man, ob eine Kamera gemeinsam mit Praktikern oder nur von Ingenieuren entwickelt wurde.

Die Spiegelmechanik

Besonders bei der Spiegelmechanik unterscheiden sich hochwertige Kameras von Amateurmodellen. Denn die Spiegelmechanik war schon immer wesentlich ausschlaggebend für den Preis einer Kamera.

 

Der Spiegel wird erst unmittelbar vor der Aufnahme, nachdem man den Auslöser betätigt hat, nach oben geklappt, um den Lichtweg für den Sensor freizugeben. Damit diese Bewegung sowohl schnell als auch weich erfolgt, um die Kamera nicht unnötig zu erschüttern, muss eine sehr aufwändige Feinmechanik konstruiert werden.

 

Gute Feinmechanik hatte schon immer ihren Preis. Im Verhältnis zu elektronischen Bauteilen, die früher sehr teuer waren, ist gute Feinmechanik inzwischen noch teurer geworden.

Spiegelvorauslösung

Eine Spiegelreflexkamera, mit der man auch in der Dämmerung und nachts fotografieren möchte, muss mit einer Spiegelvorauslösung ausgestattet sein. Denn gerade bei Langzeitbelichtungen machen sich auch kleinste Erschütterungen der Kamera als Unschärfe bemerkbar. Deshalb bieten gute Spiegelreflexkameras eine Spiegelvorauslösung an.

 

Mit der Spiegelvorauslösung wird der Spiegel bereits einige Sekunden vor der Aufnahme oder manuell nach oben geklappt, erschüttert also die Kamera nicht mehr im Augenblick der Aufnahme. Bei einigen Kameras gibt es eine Spiegelvorauslösung, die anders bezeichnet ist. Wenn der Spiegel vorher fixiert bzw. festgestellt werden kann oder mit einer speziellen Einstellung des Selbstauslösers bereits vor der Aufnahme nach oben klappt, handelt es sich ebenfalls um eine Spiegelvorauslösung.

Bildstabilisator

Ein Bildstabilisator hat unbestrittene Vorteile in allen Situationen, in denen eigentlich eine kurze Belichtungszeit oder ein Stativ gefragt wären.

 

Denn durch den Bildstabilisator kann die Belichtungszeit um bis zu 3 Blendenstufen verlängert werden, ohne dass die Fotos verwackelt werden.

 

So sind mir Belichtungszeiten bis zu einer Viertelsekunde aus freier Hand dank Bildstabilisator möglich. Denn ein Stativ schleppe ich nur selten mit mir herum.

 

Wer gerne im Telebereich fotografiert, wird für einen Bildstabilisator ebenfalls dankbar sein, denn der kleine Bildwinkel erfordert kurze Belichtungszeiten, um die Fotos nicht zu verwackeln. Eine dreimal längere Belichtungszeit durch einen guten Bildstabilisator erweitert den Einsatz selbst starker Teleobjektive sogar bei schlechten Lichtverhältnissen erheblich.

 

Ist der Bildstabilisator bereits in der Kamera eingebaut, muss man keine teuren Objektive mit eingebautem Bildstabilisator kaufen. Außerdem kann man bei einer Kamera mit eingebautem Bildstabilisator auch noch ältere Objektive aus den analogen Zeiten benutzen und hat dennoch den Bildstabilisator zur Verfügung.

 

Der Bildstabilisator sollte sich leicht abschalten lassen, denn er verträgt sich nicht mit der Kamera auf dem Stativ.

Die Sensorempfindlichkeit (ISO Einstellungen)

Für Sensoren gibt es auf dem Weltmarkt nur zwei Hersteller, bei denen sich sämtliche Kamerahersteller bedienen. Analog zur Computerindustrie, wo es für wichtige Bauteile eines PCs auch nur je zwei Hersteller gibt, deren CPU bzw. Grafikchip (GPU) in alle Computer bzw. Grafikkarten eingebaut werden. Entweder von dem einen oder dem anderen Hersteller.

 

Deshalb haben Kameras, unabhängig vom Kamerahersteller, bezüglich des jeweils verwendeten Sensors ähnliche Eigenschaften. Bezüglich des verwendeten Sensors unterscheiden sich die Kamerahersteller im Wesentlichen in der Software, mit der das Signal des Sensors von der Kamera verarbeitet und gespeichert wird.

 

Ein Sensor hat eine ganz bestimmte Lichtempfindlichkeit, wie hoch diese ist, hängt davon ab, welcher Sensor in einer Kamera verbaut ist.

 

Alle über oder unter der nativen Sensorempfindlichkeit wählbaren ISO Einstellungen werden durch elektronische Verstärkung oder Abschwächung des Bildsignals vom Sensor erreicht. Jeder elektronische Eingriff in das Bildsignal führt zu mehr oder minder starken Qualitätseinbußen.

 

An dieser Thematik haben die Kamerahersteller natürlich bereits seit Beginn der digitalen Fotografie geforscht und immer bessere Lösungen gefunden, um zumindest das Bildrauschen in den Griff zu bekommen und den Toleranzbereich ohne allzu großes Bildrauschen auszudehnen.

 

Besonders, wenn Sie öfters auch bei schlechtem Licht oder mit starken Teleobjektiven, Letztere wegen ihrer geringen Lichtstärke und der erforderlichen kurzen Belichtungszeiten, fotografieren möchten, spielt natürlich die Größe des Toleranzbereiches für noch scharfe Bilder ohne allzu störendes Bildrauschen eine erhebliche Rolle.

 

Es geht also nicht um die maximale Sensorempfindlichkeit, die bei einigen Kameramodellen inzwischen oberhalb von ISO 50.000 ist, sondern um den Bereich, der noch akzeptabele Fotos mit guter Schärfe und ohne störendes Bildrauschen ermöglicht.

 

Dazu durchsucht man am besten diverse Foto Foren, in denen es reichlich Erfahrungen mit digitalen Kameras gibt.

Der Pixel Wahn

Wieviel Pixel braucht man?

 

Für Fotos in Bildschirmauflösung waren bereits 6 Megapixel ausreichend.

 

Mit den aktuellen Auflösungen lassen sich mit einer Vollformatkamera Ausdrucke in größeren Formaten als DIN A3 beherrschen. Mit meiner Pentax mit APS Sensor reicht die Auflösung sogar für Plakatentwürfe aus.

 

Was auch darüber noch hinausgeht, spielt für einen Amateurfotografen eigentlich keine Rolle mehr.

 

Es ist also ziemlich unerheblich, ob ein aktuelles Kameramodell 16, 20 oder gar 50 Megapixel hat. Diesen Unterschied werden die meisten Amateure in der praktischen Abwendung vermutlich niemals merken. Noch nicht einmal für die meisten Aufgaben der professionellen Fotografie werden extrem hohe Auflösungen gefordert.

 

Möchte man extreme Auflösungungen von aktuell bis zu 50 Megapixeln nutzen, benötigt man auch Objektive, die mindestens mithalten können, Dann ist man schnell bei einem Preis für eine Minimalausrüstung von EUR 10.000 und mehr.

 

Übrigens, bei Sensoren, die deutlich kleiner sind als ein APS Sensor, merkt man von zusätzlichen Pixeln in der Qualität praktisch nichts. Denn die Größe des Sensors ist wesentlich wichtiger für Auflösung und Schärfe als die Zahl der auf dem Sensor verteilten Pixel.

Der Autofokus und die Messfelder

Der Autofokus war schon immer ein Problem. In analogen Zeiten wurde der Autofokus mit relativ aufwändigen optischen und feinmechanischen Methoden möglich gemacht und war, wenn er halbwegs zuverlässig funktionieren sollte, auch ziemlich kostspielig.

 

Die digitale Fotografie bot natürlich geradezu an, auch das Problem des Autofokus auf digitalem Wege zu lösen, weil man sich so aufwändige optisch-feinmechanische Lösungen früherer Zeiten sparen konnte. Das ist allerdings bis heute nicht wirklich geglückt.

 

Der digitale Autofokus orientiert sich an Kontrastkanten in einem Motiv.

 

Das führt, selbst wenn der Autofokus korrekt arbeitet, nicht unbedingt dazu, dass auf das bildwichtigste Motiv scharf gestellt wird, sondern stattdessen auf eine beliebige Kontrast Kante, die sich zufällig im Bereich eines der Messfelder befindet.

 

Der Autofokus muss schnell sein und sollte nach Möglichkeit auf einzelne, auswählbare Messfelder, die deutlich im Sucher angezeigt werden, beschränkt werden können.

 

Denn sonst ist es gerade bei bewegten Objekten praktisch Zufall, worauf das Objektiv scharf gestellt wird.

 

Besondere Probleme hat der normale, sämtliche Messfelder berücksichtigende Autofokus mit Motiven, bei denen bereits im Vordergrund starke Kontrastkanten, beispielsweise Äste, vorhanden sind. Denn, es ist reiner Zufall, welche dieser Kontrastkanten sich gerade im Bereich eines der Messfelder befindet. Doch genau darauf wird scharf gestellt.

 

Ohne konkret auswählbare Messfelder ist es auch nahezu unmöglich, auf ein Objekt scharf zu stellen, dass sich auf die Kamera zu oder von ihr weg bewegt. Also beispielsweise auf ein Model, das sich vor einem unruhigen Hintergrund auf die Kamera zubewegen soll.

 

Die beiden Grundarten des Autofokus, nämlich entweder kontinuierlich dem Bildmotiv folgend oder mit halb durchgedrücktem Auslöser als fester Wert gespeichert, beherrscht praktisch jede digitale Kamera. Darüber hinaus gibt es bei einigen Kameras noch eine ganze Reihe Einstellungs-Möglichkeiten, die eine Mischung der beiden grundsätzlichen Arten darstellen.

 

Offensichtlich gibt es immer wieder Kameramodelle, die ganz massive Probleme mit dem Autofokus haben. Deshalb sollte man, bevor man sich für eine Kamera entscheidet, mit dem Stichwort Autofokus und der Modellbezeichnung der Kamera im Internet nach Erfahrungen mit diesem Kameramodell und dem Autofokus suchen. Selbst Kameramodelle des renommierten Kameraherstellers Canon können solche Probleme haben.

 

Bei Pentax wurde bereits vor einigen Jahren erkannt, dass der Autofokus nicht immer die gewünschten Ergebnisse liefert und hat daraus Konsequenzen gezogen. Objektive, die seit dieser Erkenntnis entwickelt wurden, haben wieder, wie zuletzt vor über 20 Jahren einen vernünftig dimensionierten Ring für die manuelle Entfernungsseinsstellung.

 

Der alleine macht jedoch noch keine scharfen Fotos, weil das Sucherbild digitaler Spiegelreflexkameras für die manuelle Fokussierung viel zu klein ist. Um beurteilen zu können, worauf genau scharf gestellt wurde, müßte das Sucherbild deulich größer sein.

 

Bei Kameras mit auswechselbaren Sucherscheiben kann man die nötige technische Hilfe für die manuelle Scharfeinstellung nachrüsten. Wie von früher gewohnt, kann man Sucherscheiben mit einem Schnittbild-Entfernungsmesser und einem umgebenden Mikro-Prismenring einbauen. Außerdem gibt es auf den Sucher aufsetzbare Sucherlupen, die das Sucherbild deutlich vergrößern.

 

Der Schnittbild-Entfernungsmesser ist eine sehr große Hilfestellung, wenn es irgendwelche Kanten im Motiv gibt, beispielsweise die Augen eines Models, der Mikro-Prismenring erlaubt die genaue Scharfeinstellung, wenn es im eigentlichen Motiv keine Kanten gibt, die man mit dem Schnittbild-Entfernungsmesser anpeilen könnte.

 

Denn selbst für einen einwandfrei funktionierenden Autofocus gilt prinzipiell dasselbe wie für alle anderen Automatikfunktionen einer Kamera, spätestens, wenn man an die Grenzen der Automatikfunktionen stößt, muss man, wie früher, die Automatik abschalten und manuell einstellen. Das sollte dann möglichst gut unterstützt werden.

 

Doch gerade bei der Fokussierung ist das ohne entsprechende technische Hilfen wie beispielsweise einem Schnittbild-Entfernungsmesser aufgrund des kleinen Sucherbildes nahezu unmöglich.

 

Für mich war deshalb meine erste digitale Spiegelreflexkamera eine gewaltige Umstellung, war ich doch von meiner analogen Mittelformatkamera ein 6 x 6 cm großes Sucherbild mit einem Mikro-Prismenring, der alleine fast schon so groß war wie das ganze Sucherbild meiner digitalen Spiegelreflexkamera und dazu eine ausklappbare Sucherlupe gewohnt, mit der eine exakte und schnelle Entfernungseinstellung ein Kinderspiel war.

Belichtungsprogramme

Für einen blutigen Amateur mögen Motivprogramme eine Hilfe sein. Ob sie wirklich eine Hilfe sind, sei dahingestellt, denn wie jede Software erfordert auch ein Motivprogramm eine gewisse Einarbeitung, um sie erfolgreich nutzen zu können.

 

Unabhängig von den Motivprogrammen bieten alle Kameras oberhalb billiger Pocketkameras mindestens zwei verschiedene Messmethoden sowie außer der vollautomatischen Belichtungssteuerung die Zeitautomatik und die Blendenautomatik.

 

Wesentlich wichtiger scheint mir, ob sich sämtliche Automatikfunktionen ohne langes Suchen im Kameramenü deaktivieren lassen, um die Einstellungen manuell vornehmen zu können. Denn früher oder später wird man für bessere Bildergebnisse oder Nachtaufnahmen manuell in die Belichtung eingreifen wollen. Dann sollte das auch problemlos möglich sein.

 

In diesem Bereich sind viele Bridgekameras und manche Spiegellosen Systemkameras geradezu eine Katastrophe, weil, soweit überhaupt manuelle Einstellungen möglich sind, sie erst nach langem Suchen im Kameramenü entdeckt werden.

Zusammenfassung der Auswahlkriterien

Bevor man eine Kamera kauft, sollte man sich zunächst klar darüber werden, ob man mit der Kamera mehr als Erinnerungsfotos vom Urlaub und Familienfesten machen möchte. Denn dafür genügt prinzipiell sogar schon eine Pocketkamera.

 

Möchte man mehr als das, möchte man insbesondere allmählich in die kreative Fotografie hineinwachsen, ist die Sensorgröße das wichtigste Qualitätskriterium, also mindestens ein APS Sensor.

 

Möchte man hauptsächlich im Weitwinkel-Bereich tätig sein, ist die Vollformatkamera das Optimum, zumal es dafür eine riesige Auswahl an hochwertigen Objektiven gibt.

 

Ansonsten spielt natürlich der mögliche finanzielle Rahmen eine ganz erhebliche Rolle. Doch sollte man, selbst bei einem sehr begrenzten Budget, eher auf die Qualität des Bodys achten. Ist das aktuelle Modell der Wunschkamera noch zu teuer, ist vielleicht das Vorgängermodell eine Alternative zu einer aktuellen Kamera eine Klasse tiefer.

 

Objektive muss man auch nicht unbedingt neu kaufen, wenn das Budget begrenzt ist, sollte man eher auf eine gute Kamera mit APS Sensor oder im Vollformat achten, denn für beide Formate gibt es eine Fülle an guten gebrauchten Objektiven sowie Objektive von Drittherstellern, die oft deutlich günstiger sind als die Objektive des Kameraherstellers. Mehr dazu in der Kaufberatung Objektive.

 

Nach entsprechenden Erfahrungen mit Teilnehmern meiner Praxis Fotokurse kann ich nur dringend zu APS Sensor oder Vollformat raten, alle kleineren Sensoren stoßen schnell an ihre Grenzen.

 

Um Unterwegs immer eine Kamera dabei zu haben, reicht eine Pocketkamera, bei der es auch nicht weiter schlimm wäre, wenn sie beschädigt oder gestohlen wird.

 

Gute Fotos erfordern nun mal ein Minimum an Ausrüstung, die man natürlich auch nicht ständig mit sich herumschleppt. Das unter anderem unterscheidet nun mal fotografieren von eben schnell mal knipsen.